Datenschutz-Folgenabschätzung
Datenschutz-Folgenabschätzung (DSFA) gemäß Art. 35 DSGVO für die Mein Leben Plattform. Die DSFA ist erforderlich, da besondere Kategorien personenbezogener Daten (Gesundheitsdaten nach Art. 9 DSGVO) systematisch verarbeitet werden und die Verarbeitung schutzbedürftiger Personen (Menschen mit Behinderung) betrifft.
1. Systematische Beschreibung der Verarbeitung
1.1 Art der Verarbeitung
Die Mein Leben Plattform ist eine integrierte Teilhabe-Plattform für Einrichtungen der Behindertenhilfe. Sie umfasst:
- Mobile App (Flutter): Barrierefreie App für Klienten mit 3-stufigem Zugangssystem (Einfach/Standard/Vollständig)
- Web-Dashboard (Next.js): Verwaltungsoberfläche für Mitarbeiter, Familien und Administratoren
- Backend: PostgreSQL-Datenbank mit REST-API, JWT-Authentifizierung und rollenbasierter Zugriffskontrolle
1.2 Umfang der Verarbeitung
- Betroffene Personen: Klienten mit Behinderung, betreuende Mitarbeiter, Familienmitglieder, Administratoren
- Datenkategorien: Kontodaten, Betreuungsdaten, Stimmungsdaten (Gesundheitsdaten), Tagespläne, Nachrichten, FED-Buchungen
- Verarbeitungszweck: Unterstützung der Teilhabe und selbstbestimmten Lebensgestaltung von Menschen mit Behinderung
- Speicherdauer: Differenziert je nach Datenkategorie (siehe Verarbeitungsverzeichnis)
1.3 Eingesetzte Technologien
- PostgreSQL 16 Datenbank mit Prisma 6 ORM
- Auth.js v5 (JWT-basierte Authentifizierung)
- Next.js 16 mit Server-Side Rendering
- Flutter Mobile App mit Offline-First-Architektur (Hive-Cache)
- ARASAAC-API für barrierefreie Piktogramme
- On-Device Text-to-Speech (flutter_tts, DSGVO-konform)
2. Notwendigkeit und Verhältnismäßigkeit
2.1 Erforderlichkeit
Die Verarbeitung der genannten Daten ist erforderlich, um die gesetzlich vorgeschriebene Teilhabeplanung (BTHG) digital zu unterstützen und die Lebensqualität der Klienten nachhaltig zu verbessern. Ohne die Erfassung von Stimmungsdaten wäre eine frühzeitige Erkennung von Belastungssituationen nicht möglich.
2.2 Verhältnismäßigkeit
- Datenminimierung: Es werden nur die für die Betreuung notwendigen Daten erhoben
- Speicherbegrenzung: Differenzierte Löschfristen je nach Datenkategorie
- Zweckbindung: Daten werden ausschließlich für die definierte Betreuung verwendet
- Einwilligung: Gesundheitsdaten werden nur mit ausdrücklicher Einwilligung verarbeitet (Art. 9 Abs. 2 lit. a DSGVO)
2.3 Rechte der Betroffenen
Alle Betroffenenrechte (Art. 15-22 DSGVO) sind gewährleistet. Klienten können ihre Rechte über die Einrichtung oder direkt über datenschutz@meinleben.app ausüben. Die barrierefreie Gestaltung der Plattform unterstützt die eigenständige Wahrnehmung der Rechte durch die Klienten selbst.
3. Risikobewertung
3.1 Identifizierte Risiken
| Risiko | Schwere | Eintrittswahrscheinlichkeit | Gesamtrisiko |
|---|---|---|---|
| Unbefugter Zugriff auf Gesundheitsdaten | Hoch | Mittel | Hoch |
| Datenverlust durch Systemausfall | Hoch | Niedrig | Mittel |
| Missbrauch durch berechtigte Nutzer | Mittel | Mittel | Mittel |
| Datenabfluss über ARASAAC-API | Niedrig | Niedrig | Niedrig |
| Verlust der Offline-Daten auf dem Mobilgerät | Mittel | Mittel | Mittel |
| Diskriminierung durch Profiling | Hoch | Niedrig | Mittel |
3.2 Besondere Schutzbedürftigkeit
Die betroffenen Klienten sind Menschen mit Behinderung und damit besonders schutzbedürftigen Personengruppen zuzuordnen. Die Verarbeitung ihrer Gesundheitsdaten erfordert ein erhöhtes Schutzniveau. Zudem besteht ein Machtungleichgewicht zwischen Einrichtung und Klienten, das bei der Einwilligung berücksichtigt werden muss.
4. Schutzmaßnahmen
4.1 Technische Maßnahmen
- Verschlüsselung: TLS 1.3 für die Datenübertragung, AES-256 für ruhende Daten in der Datenbank und in Backups
- Authentifizierung: JWT-basierte Authentifizierung mit Auth.js v5, bcrypt-Passwort-Hashing, Secure/HttpOnly-Cookies
- Zugriffskontrolle (RBAC): 4 Rollen (Admin, Mitarbeiter, Familie, Klient) mit granularen Berechtigungen auf API- und UI-Ebene
- Multi-Tenant-Isolation: Strikte Datentrennung über organizationId im JWT-Token; API-Scoping verhindert organisationsübergreifenden Datenzugriff
- Rate-Limiting: 60 Anfragen pro Minute pro Benutzer zum Schutz vor Brute-Force-Angriffen
- Security Headers: Content-Security-Policy, X-Frame-Options, X-Content-Type-Options, Strict-Transport-Security
- Input-Validierung: Serverseitige Validierung aller API-Eingaben zur Verhinderung von Injection-Angriffen
- Offline-Sicherheit: Lokale Daten in Hive-Datenbank auf dem Gerät; Text-to-Speech On-Device (keine Cloud-Übertragung)
- Datensicherung: Tägliche automatisierte, verschlüsselte Backups
- Feldverschlüsselung (Art. 9 DSGVO): Gesundheitsdaten (Stimmungsnotizen, Transkripte, Zusammenfassungen) werden zusätzlich mit AES-256-GCM auf Feldebene verschlüsselt. Schlüssel werden über Umgebungsvariablen verwaltet (FIELD_ENCRYPTION_KEY).
- Persistentes Audit-Log mit HMAC: Alle sicherheitsrelevanten Aktionen werden in einer separaten AuditLog-Tabelle protokolliert. Jeder Eintrag erhält eine HMAC-SHA256-Signatur zur Manipulationserkennung (AUDIT_HMAC_SECRET). Zugriffe auf Gesundheitsdaten werden gesondert mit Aktion HEALTH_DATA_ACCESSED protokolliert.
- SSL-Datenbankverbindung: In der Produktionsumgebung wird sslmode=require für alle Datenbankverbindungen erzwungen (Art. 32 DSGVO).
4.2 Organisatorische Maßnahmen
- Berechtigungskonzept: Minimalprinzip — jeder Nutzer erhält nur die für seine Rolle notwendigen Zugriffsrechte
- Schulungen: Regelmäßige Datenschutz-Schulungen für alle Mitarbeiter mit Datenzugriff
- Einwilligungsmanagement: Dokumentierte Einwilligungsprozesse für Gesundheitsdaten mit barrierefreier Aufklärung in Leichter Sprache
- Löschkonzept: Automatisierte Löschfristen je nach Datenkategorie
- Vorfallmanagement: Definierter Prozess für Datenschutzvorfälle (Art. 33/34 DSGVO)
- Datenschutzbeauftragter: Bestellung eines internen oder externen Datenschutzbeauftragten
5. Restrisiko-Bewertung
Nach Umsetzung aller beschriebenen technischen und organisatorischen Maßnahmen wird das Restrisiko wie folgt bewertet:
| Risiko | Vor Maßnahmen | Nach Maßnahmen |
|---|---|---|
| Unbefugter Zugriff auf Gesundheitsdaten | Hoch | Niedrig |
| Datenverlust durch Systemausfall | Mittel | Niedrig |
| Missbrauch durch berechtigte Nutzer | Mittel | Niedrig |
| Verlust der Offline-Daten | Mittel | Niedrig |
| Diskriminierung durch Profiling | Mittel | Sehr niedrig (kein automatisiertes Profiling) |
Gesamtbewertung
Das Restrisiko wird nach Implementierung aller Schutzmaßnahmen als vertretbar eingestuft. Die Verarbeitung kann unter den beschriebenen Bedingungen durchgeführt werden. Eine Konsultation der Aufsichtsbehörde nach Art. 36 DSGVO ist nicht erforderlich.
Überprüfungszyklus
Diese DSFA wird mindestens jährlich sowie bei wesentlichen Änderungen der Verarbeitung überprüft und aktualisiert.
Stand: Februar 2026 | Nächste Überprüfung: Februar 2027